Archive for Mai, 2010

Mai 27th, 2010

Geschichte 2.0

by nina schröter

Der Stadt Coburg ist gelungen, was meine Geschichtslehrer in 13 Jahren nicht einmal geschafft haben: Durch den Einsatz neuer Medien Geschichte erfahrbar zu machen.

Coburg hat ein Portal ins Leben gerufen, das sowohl informativ als auch interaktiv ist. Unter stadtgeschichte-coburg.de können Bürger über einen Zeitstrahl und eine interaktive Stadtkarte historische Ereignisse der Stadt nachvollziehen und darüber hinaus über die Funktion “Erzählen” eigene Erlebnisse hinzufügen.

Da man für Zeitzeugen-Berichte in der Regel ältere Menschen braucht und diese bekanntermaßen nicht zu den aktivsten Internetusern zählen, arbeitete die Stadt integrativ und generationenübergreifend: Coburger Schüler halfen den Senioren beim Umgang mit dem Internet und bei der Eingabe ihrer Erinnerungen.

Nicht ganz zu Unrecht gewann das Projekt daher auch beim 9. eGovernment-Wettbewerb 2009.

Mai 26th, 2010

Ideologische Schlachten im Netz

by nina schröter

Soso, ob Herr Chavez womöglich die Diskussion über möglichst undemokratische Partizipationsmöglichkeiten vom PEP-NET als Aufforderung verstanden hat?

Jedenfalls hat der Staatschef Venezuelas nach dem Twittern jetzt offensichtlich auch das Bloggen für sich entdeckt und er scheint von der politischen Reichweite des Internets durchaus überzeugt zu sein. Deswegen forderte er laut Welt Online auch gleich seine Freunde und Kollegen Fidel Castro (Kuba) und Evo Morales (Bolivien) auf, es ihm nachzutun.

So viel Begeisterung erlebt man bei deutschen Politikern in Sachen Internet ja nur selten – aber immerhin haben sie auch nicht vor “ideologische Schlachten” im Netz zu führen. Hat halt alles seine Vor- und Nachteile.

Mai 18th, 2010

Die Sache mit der Glaubwürdigkeit

by nina schröter

Die Intelligenz der Masse – jeder will sie, oder zumindest tun alle so. BP sammelt über soziale Netzwerke Vorschläge, wie mit der Ölkrise umzugehen ist, Städte und Kommunen beziehen ihre Bürger in Sparpläne mit ein. Alles total 2.0, alles total hip. Blöd nur, dass die Bürger sich bei der Sache nicht ganz so ernst genommen fühlen.

Im Falle von BP ist das Misstrauen wohl auch durchaus angebracht. Die Zeit berichtet, dass der Konzern zwar munter Ideen sammelt, diese aber auch im Anschluss ebenso munter verwirft und lieber ein giftiges und nicht erprobtes Mittel nutzt – das haben schließlich keine Bürger, sondern (anscheinend) Geschäftspartner vorgeschlagen.

Aber auch Städte und Kommunen haben es nicht leicht: In Essen finden zwar einige die Idee eines Bürgerhaushalts gut, zweifeln aber daran, dass die Stadt ihre Vorschläge ernst nimmt. So tituliert der User vwexport:

Bürger-Beruhigungs-Plattform

Innovative Idee, das muss man den Stadtoberen lassen! […[ Natürlich wird jeder Vorschlag ernsthaft geprüft und bewertet – wieso auch nicht? Für die UMSETZUNG genügen dann einige Alibi-Vorschläge, denn wer will denn schon ans Eingemachte gehen, wo’s wirklich weh tut?

Ich bin gespannt, ob wirklich der politische Wille da ist, konsequent zu sparen und die Meinungen mündiger Bürger einzubeziehen. […[ Ich persönlich bin pessimistisch..

Wenn Habbel also eine Reformoffensive der Kommunen fordert, in der die Bürger stärker miteinbezogen werden sollen, ist vielleicht BP nicht das beste Beispiel, das man wählen sollte. Denn an der Glaubwürdigkeit mangelt es den 2.0-Initiativen sowieso (bisher).

Mai 12th, 2010

Undemokratische Beteiligung

by nina schröter

Netter Ansatz: Auf der EDEM10 haben sich einige vermutlich kluge Köpfe Gedanken darüber gemacht, wie Partizipationstools möglichst undemokratisch gestaltet werden können. Nicht, weil sie eine digitale Diktatur aufbauen wollen, das Ganze war eher eine Art Bestandsaufnahme: Was lief in vergangenen Projekten falsch, welche Fehler wurden gemacht, woraus sollten wir lernen?

Eine Liste mit den Ergebnissen des Brainstormings findet man hier, mit der Aufforderung sie durch Kommentare zu ergänzen.

Ein zentraler Punkt: Partizipationsmöglichkeiten sollten möglichst für viele Leute ansprechend sein, d.h. die Themen sollten sich an den Interessen der Masse orientieren.
Klingt super. Wann fangen also Herr Rösler und Frau Schröder mit eKonsultationen a la de Maizière an? Das Thema Netzpolitik selber zieht ja doch immer nur die gleichen Köpfe an…

Mai 10th, 2010

Elektronischer Perso – Der letzte Hype?

by nina schröter

Politik und Wirtschaft sind sich mal wieder einig: Was Deutschland noch fehlt, um richtig hip zu sein, ist der elektronische Personalausweis. Wer eGovernment sagt, muss auch ePerso wollen. Und jetzt im November soll es endlich so weit sein.
Doch was lesen wir da aus Österreich, den absoluten eGov-Trendsettern? Nach sieben langen Jahren nutzen erst 75.000 Österreicher die Bürgerkarte? Die Regierung brütet gerade sogar kräftig an alternativen Anwendungen – z.B. über Handys. Da gibts dann bestimmt demnächst auch eine App zu.

Mai 5th, 2010

Vive l’enquete

by nina schröter

Es ist soweit, die berühmt-berüchtigte Enquete hat sich heute konstituiert. Geladen war jeder, schließlich war die Sitzung öffentlich. Ein Programm hat aber vorher niemand erhalten, auch nicht die Sachverständigen der Enquete. Macht aber nichts, passiert ist heute eh nichts. Und überhaupt weiß man mittlerweile nicht mehr, ob man überhaupt wirklich Transparenz und Öffentlichkeit will. Ist ja schließlich anstrengend und kann bei unerwünschten Diskussionen auch mal peinlich werden.
Passend zur Konstituierung durften die Abgeordneten sich bei SPON erneut dazu äußern, wie sie zum Internet stehen.
Es ist schön zu sehen, dass wohl einige der Abgeordneten sich Nachhilfeunterricht besorgt haben: Peinliche Patzer wie der Axel E. Fischers beim Deutschlandradio Kultur sucht man vergebens. Stattdessen sind mittlerweile alle Mitglieder nach eigenen Angaben zu Experten in Sachen Netzpolitik geworden, soso.
Das größte Phänomen des Netzes: Hier, so 2.0. Klar, sag ich doch.